Agathodaimon
Jul 7th, 2009 | Von Lord Haggard | Kategorie: InterviewsAgathodaimon und das einzige noch aktive Gründungsmitglied Sathonys können mittlerweile auf eine 14 jährige Bandgeschichte zurückblicken. Deswegen wird im Interview nicht nur das neue Album „Phoenix“ sondern auch die bisherige Arbeit beleuchtet.
Servus nach Deutschland! Was treibst du gerade so?
Nun, derzeit sitze ich am PC und beantworte dieses Interview ;). Danach werde ich mich wieder an die Webseite setzen, die nach langer Wartezeit endlich wieder online ist.
Phoenix steht jetzt schon seit fast vier Monaten in den Läden. Wie waren die Reaktionen von Fans und Kritikern bisher?
Beruhigend gut! Nach der langen Auszeit hatten wir natürlich Bedenken, wie das Album wohl aufgenommen wird, aber die Resonanz war sehr positiv. Natürlich gab es auch negative Kritiken, aber diese waren meist eher subjektiv verfasst und deutlich in der Minderzahl. Besonders freute uns, dass sich viele alte Fans meldeten und mitunter meinten, dass es das beste Album bislang sei. Darüber kann man sich als Fan natürlich vortrefflich streiten, aber auf alle Fälle ist PHOENIX ein Album, in das wir eine Menge Arbeit investiert haben, haha!
Das Cover scheint ja sehr bedeutungsschwanger zu sein. Kannst du uns über versteckte Botschaften aufklären oder soll es einfach nur gut aussehen?

Das Cover von PHOENIX
Tja- ich stehe auf einige kleine Geheimnisse. Meist fallen diese erst bei näherem Hinsehen oder auch gar nicht auf… so hatte ich bspw. im Booklet von Chapter III eine kleine, geheime Botschaft versteckt, die nicht gerade einfach, aber mit etwas nachdenken zu enträtseln ist. Als kleiner Anreiz: der erste Fan, der diese entziffert, erhält von uns ein Gratisshirt und einen Gästelisten-Platz seiner Wahl, hehe. Aber was PHOENIX angeht, so gibt es ein paar kleinere Bezüge zu den Texten, aber nichts, was wirklich absolut bedeutungsschwanger wäre. Es passt einfach und stimmt gut auf das Album ein.
Hast du selbst schon Abstand gewonnen um das Album objektiv zu beurteilen? Bist du noch völlig zufrieden damit, oder würdest du im Nachhinein noch Dinge verändern?
Ich würde immer Dinge verändern- ganz einfach darum, weil man nie mit allem hundertprozentig zufrieden ist, und die Arbeit bei Agathodaimon immer einen hohen Gruppenanteil besitzt. Wir versuchen das Meiste demokratisch zu regeln, und so gibt es natürlich auch beim Songwriting etc. immer viele Kompromisse. Ein wenig Anpassungsvermögen gehört dazu, nicht immer sind alle derselben Meinung, aber dann entscheidet die Mehrheit.
Wie stehst du zu den älteren Platten von Agathodaimon und an was musst du denken wenn du sie heute hörst? Würdest du an Ihnen etwas ändern wollen?
Blacken the Angel:
Ein sehr stressiges Album. Prinzipiell viele Neuaufnahmen alter Songs der beiden Demos, aber auch neues Material- zur damaligen Zeit hatten wir den Aufnahmetermin zweimal verschoben, weil unser alter Sänger Vlad nicht aus Rumänien nach Deutschland einreisen durfte, und auch die eine oder andere nicht so ganz legale Methode fehlschlug. Letztlich engagierten wir Akaias, und im Nachhinein waren wir mit der Scheibe auch sehr zufrieden. Allerdings habe ich sie mir wohl etwa 5-6 Jahre nicht mehr angehört. Ein voller Erfolg war sie auf alle Fälle.

Agathodaimon 1997
Higher Art of Rebellion:
Das zweite Album nahmen wir mit Vlad und Akaias in Rumänien auf, da wir den Einreiseproblemen aus dem Weg gehen wollten, und ich auf Vlad nicht verzichten mochte. Die Aufnahmen waren abenteuerlich- in Rumänien ein Album aufzunehmen ist ein Abenteuer für sich. Da die Aufnahmen länger dauerten als geplant, nahm Vlad mit dem Engineer den Mix allein auf sich. Als ich die Masterkopie das erste Mal hörte, hätte ich sie fast vor lauter Wut aus dem Fenster geworfen, weil der Sound beim ersten Hören für meine Ohren so übel klang und Vlad auch einige Änderungen vorgenommen hatte, von denen wir nichts wussten. Aber heutzutage ist sie meine Lieblingsscheibe. Sie ist sperrig und hat ihren eigenen Charme, aber die Songs sind meiner Meinung nach teilweise sehr innovativ und haben eine unglaubliche Langzeitwirkung; man kann sie immer wieder hören, ohne dass sie langweilig werden.
Chapter III:
Die Scheibe war unsere Schnittmenge der ersten beiden Alben, allerdings diesmal mit besserem Sound und einer anständigen Vorproduktion- bei HIGHER ART entstand vieles spontan im Studio, was auch seinen Reiz hatte, aber aufgrund der langen Dauer ziemlich ins Geld ging. Mit Chapter III fing auch unsere Kooperation mit dem Kohlekeller Studio an, dem wir bis heute treu geblieben sind.
Serpent’s Embrace:
Unsere Fortführung von Chapter III- dachte ich zumindest. Viele Medien sahen hier einen gewissen Stilbruch, während ich nur eine dezente Weiterentwicklung sah. Natürlich gab es etwas weniger Blast Beats, aber ansonsten gab es nur wenig Änderungen. Unsere Arbeitsweise war dieselbe, die Produktion fand im selben Studio statt und so weiter. Allerdings muss ich im nachhinein sagen, dass wir die Scheibe bewusst ein wenig softer angegangen sind, was allerdings auch an der veränderten Besetzung lag, denn außer Akaias, Matthias und mir waren die anderen nicht unbedingt bspw. dem Black Metal zugetan. Im Nachhinein eine Scheibe, die ich auch heute noch sehr mag.

Agathodaimon heute
Siehst du die bisherige Geschichte von Agathodaimon als lineare Entwicklung von Album zu Album, oder glaubst du, dass jedes Album für sich alleine steht und in eine eigene Richtung ausschlägt?
Hm, wir hatten immer versucht, jedem Album ein eigenes Gesicht zu verleihen. Der Sound von Agathodaimon ist quasi immer die Schnittmenge der beteiligten Musiker, und da sich auch jeder Mensch im Laufe der Zeit ändert, ist auch unsere Musik einer gewissen Entwicklung unterworfen. So viel Respekt ich auch vor einer Band wie AC/DC habe, aber auf musikalischer Ebene würde mich diese Kontinuität mit der Zeit vermutlich langweilen. Und im Rentenalter in Schuluniform auf die Bühne… wobei ich bei deren Einkommen allerdings auch nicht nein sagen würde, hehe.
Als eure ersten Alben herauskamen, stand Agathodaimon noch unter dem Banner des Black Metal. Wie stehst du heute zu dieser Musikrichtung? Ist Black Metal noch ein Teil deines Lebens?
In gewisser Weise schon, aber die Faszination ist abgeklungen. Als die Black Metal-Welle begann, war das ein revolutionäres Ereignis, mir imponierte die Ausdrucksstarke und die nihilistische und kraftvolle Art dieses Stils. Ich mochte vorher bereits Bands wie Venom oder alte Celtic Frost, aber als die ersten Tapes von Emperor oder Immortal eintrudelten, das war etwas Besonderes. Dann begann allerdings jeder zweite, seine eigene Black Metal-Band auf die Beine zu stellen, und insbesondere hier in Deutschland nahm das bald seltsame Züge an. Vor allem, weil viele der Extremität der skandinavischen Vorreiter nacheifern wollten. Mir ging es vorrangig um die Musik und deren Wirkung, und nicht darum, der Welt vorgaukeln zu wollen, dass Agathodaimon kleine Kinder essen. Jedenfalls hatte mir dieses teilweise aufgesetzte Gehabe die Begeisterung für Black Metal mitunter etwas gedämpft. Heutzutage gibt es nur wenige Bands in diesem Genre, die mich noch begeistern können. Aus Deutschland möchte ich übrigens Sonic Reign empfehlen.
Auf der Anti-Nargaroth Seite (Link) wirst du erwähnt und auch zitiert. Was denkst du über diese Vorfälle von damals?
Ich kenne die Seite zwar nicht, aber halte auch generell nichts von Schlammschlachten. Mir ging Kanwulfs Art, persönliche Probleme unter dem Deckmantel des Black Metal auszutragen, allerdings auch eine Zeitlang gegen den Strich. Ich kannte ja die Hintergründe bzgl. seiner Abneigung gegen diverse Bands oder Musiker bzw. die angebliche Privatfehde mit mir, aber diese konnte ich objektiv einfach nicht nachvollziehen- wie immer ist eine Frau an allem Schuld, hehe. Ich weiß nicht was in seinem Kopf vorging, aber wirklich nachvollziehbar war das nicht. Aber Schwamm drüber. Lediglich für das Foto von Schlagzeuger Eric (ex-Immortal, RIP), welches ich 1996 im Exil in Trier geschossen habe und das er ohne mein Wissen oder Erlaubnis im „Black Metal ist Krieg“-Booklet benutzt hat, dafür hätte ich schon gerne Credits gesehen…
Was hat es eigentlich mit dem Video von „Serpent‘s Embrace“ (Link) auf sich? Wart ihr damals schon damit zufrieden?
Herrje. Ja, es ist kein Glanzstück. Es ging leider einiges schief und wir mussten vor Ort viel improvisieren. Wir wollten zum vierten Album mit vergleichsweise magerem Budget endlich mal ein Video produzieren. Unter anderem hatten wir einen Pyrotechniker engagiert, der sich aber am Vorabend des Drehst ein Bein brach; die Bodennebel-Maschine gab nach zehn Minuten ihren Geist auf, diverse Utensilien konnten nicht benutzt werden, und letztendlich hat das Ganze am Ende eher einen Hip-Hop-Look erhalten, hehe. Wir haben ja schon oft gerne diverse Klischees augenzwinkernd ausgelebt (siehe die Fotosession zum dritten Album, in bester Venom-Manier), insofern halte ich auch dieses Video nicht für tragisch- dennoch, ich vergesse immer wieder, das der durchschnittliche Metal-Fan alles auf die Goldwaage legt bzw. der Humor ein wenig eingerostet ist. Ich hätte mir das Resultat auch anders gewünscht. Aber es war dennoch eine tolle Erfahrung, das Geld für ein Video haben wir uns diesmal gespart …
Und heute?
Heute würde ich es lieber verbrennen, hehe.
Ich will dennoch versuchen, dass wir noch ein selbst produziertes Low-Budget Video auf die Reihe bekommen. Könnte aber noch ein Weilchen dauern, da wir alles selbst erledigen.

Chapter III Promofoto
Wie schauen die Pläne für die Zukunft aus? Was können wir von Agathodaimon in 5 Jahren erwarten?
Gute Frage, so weit voraus planen wir nicht- wir nehmen erstmal die Sommer-Festivals (gerade ist Wacken Southside und Wacken Rocks bestätigt), evtl. eine Tour und dann das nächste Album ins Blickfeld. Das soll diesmal nicht annähernd so lange dauern.
Die letzten Worte gebühren wie immer dir!
Danke für das Interesse!
Wir würden uns freuen, wenn Ihr unsere Webseite auf www.agathodaimon.de bzw. www.myspace.com/agathodaimon besucht und unsere Musik antestet. Natürlich freuen wir uns auch immer über Feedback…



