Kataklysm
Jan 20th, 2010 | Von perke | Kategorie: Interviews, Top-StoryKataklysm sind im Death-Bereich keine unbekannte Größe mehr und brauchen nicht mehr extra vorgestellt zu werden. Bei ihrem Abstecher in Wien (am 15.01.2010) hatten wir die Möglichkeit den Gitarristen Jean-Francois Dagenais, der von allen J-F genannt wird (um die Probleme mit der richtigen Aussprache aus dem Weg zu gehen), ein paar Fragen zu stellen. Der überaus gesellige und redselige J-F erzählte uns vom kommenden Album, was einen echten Kataklysm Song ausmacht und was für ihn in der Musik am meisten zählt.
Hallo J-F, wie geht es dir heute?
Danke, mir geht es sehr gut. Wir sind nun seit einer Woche auf Tour und es läuft fabelhaft. Wir sind sehr erfreut, dass die Leute noch immer zu unseren Konzerten kommen und uns unterstützen. Das ist ja schon, seit unserem letzten Album, die dritte Tour. Die Unterstützung unserer Fans tut echt gut und außerdem können wir auf dieser Tour auch länger als normalerweise spielen, da wir ja Headliner sind. Wir können somit auch Songs spielen, die von uns nie gespielt werden.
Während der Tour schon was lustiges passiert?
Ja, eine Menge lustiger Sachen. Wir saufen halt viel und feiern bis spät in die Nacht, aber ich will hier nicht allzu ins Detail gehen (lacht). Was während einer Tour passiert, bleibt lieber intern (lacht).
Was ist das merkwürdigste was euch jemals zugestoßen ist?
Weiß nicht. Merkwürdige Sachen passieren immer wieder mal. Im Musikbusiness kannst du dich nie auf irgendetwas verlassen. So wie letzte Woche als unser Tourbus einging und wir so schnell wie möglich einen neuen organisieren mussten. Das ist aber auch meistens nur Pech.
Kataklysm gibt es nun seit 19 Jahren. Wenn ihr in eurer Geschichte zurückblickt, was hat sich da für euch am meisten verändert?
Als wir anfingen, waren wir ja noch sehr jung. Wir haben mit Kataklysm spasshalber angefangen. Da waren wir noch in der Highschool und die Band unser Hobby. Mit der Zeit wurde Kataklysm zu unserem Leben und Lebensstil. Es wurde ernster. Jetzt gehen wir die Sachen professioneller an. Zusätzlich wurde aus Kataklysm eine Familie, wo wir früher noch Freunde waren. Die Zeit hat uns zusammengeschweißt und es macht immer noch Spass alles gemeinsam zu machen. Vor allem bemühen wir uns sehr, dass unsere Musik gut ist, dass wir für die Metalszene dort draußen relevant bleiben und, dass wir die Zeit überdauern. Wenn man also 20 Jahre zurückblickt und mitten im Geschehen ist, da kann man schon stolz sein ein Teil davon zu sein.

"Bierflaschen auf die Bühne zu werfen. Das kann gefährlich werden."
Metalblaze hat eine Zeitmaschine gebaut, steckt euch rein und schickt euch zurück in das Jahr 1995. Es gibt keinen Retour-Knopf. Was würdet ihr mit Kataklysm anders machen?
Ich weiß nicht. Selbst die Fehler die wir gemacht haben, hat uns zu dem Werden lassen, was wir sind. Ich glaube nicht, dass ich irgendetwas ändern würde. Ich bin zufrieden mit dem was ich in all den Jahren erreicht und gelernt habe. Fehler sind dazu da um aus ihnen zu lernen.
Was war für dich die schlimmste Situation die du auf der Bühne jemals erlebt hast?
Die eine Sache dir mir auf der Bühne extrem wichtig ist, ist die Lautstärke. Bei so vielen Auftritten muss man als Musiker aufpassen, dass die Ohren ganz bleiben. Vor einem Jahr hatten wir ein Konzert, bei dem ich keine Oropax verwendet habe und die Monitorboxen extrem schlecht und viel zu laut eingestellt waren. Nach dem Konzert hatte ich dieses piepsen und es war grauenhaft. Zum Glück ging es weg, aber seitdem bin ich noch vorsichtiger geworden. Solche Sachen können eben passieren und sind extrem nervig. Was sonst noch nervt ist, wenn Fans auf die Bühne Bierflaschen schmeißen. Nicht weil sie die Band nicht mögen, sondern weil es dort unten abgeht. Auch sowas kann passieren und ist verdammt gefährlich, da du selbst durch die Lichter nichts siehst und dich so eine Bierflache unvorbereitet treffen kann.
Kannst du mir irgendetwas von eurem kommenden Album erzählen, oder ist es noch zu früh etwas zu verraten?
Nein gar nicht. Fünf Songs haben wir schon geschrieben und wir arbeiten noch daran. Das neue Zeug ist sehr aufregend, trickreicher, es wird viele Geschwindigkeitswechsel geben und wir haben wieder eine Art von Riffs drinnen, die wir schon seit Jahren nicht mehr benutzt haben. Ich, Max und Maurizio arbeiten immer die Songstrukturen heraus und diesmal wollten wir es aufregender machen. Sonst halt das übliche: viele Melodien, Grooves und ‘Dark Elements’. Eigentlich sind das die interessantesten Songstrukturen die wir seit langem wieder geschrieben haben. Bin schon selber gespannt. Sobald wir zurückkommen, schreiben wir die restlichen Songs.
Du bist bei Kataklysm der einzige Gitarrist. Schreibst du all die Riffs selber?
Nein, wir schreiben alle gemeinsam. Stephane spielt ja auch Gitarre, genauso wie Maurizio. Im Endeffekt schreibt jeder von uns etwas. Ein jeder hat auch einen anderen Spielstil und sobald wir alles zusammenmixen, kommt dabei meist ein guter Kataklysm Song heraus. Manchmal schreibe ich einen Song komplett alleine, aber meistens schreiben wir gemeinsam. Ein jeder bringt seine Ideen ein und das ist es, was einen Kataklysm Song auch ausmacht.
"Bei der Musik geht es nicht um Schnelligkeit oder Angeberei."
Was sind deine wichtigsten musikalischen Einflüsse?
Iron Maiden, definitiv. Damit bin ich aufgewachsen und ich höre sie immer noch. Wenn ich ihre Soli höre, bekomme ich noch immer eine Gänsehaut.
Guitar World hat berühmte Gitarristen folgende Frage gestellt: Wenn du ein Superheld wärst, welche Superhelden-Eigenschaften hättest du dann? Wie schaut’s bei dir aus?
(lacht) Weiß ich echt nicht. Hm, schwer zu sagen. Vielleicht wäre es nicht schlecht meine Finger schneller bewegen zu können um noch besser spielen zu können, aber andererseits geht es bei Musik nicht um die Schnelligkeit und um damit anzugeben. Einen guten Song schreiben zu können ist da viel wichtiger. Ich bin von guten Songwritern mehr beeindruckt als von irgendwelchen technischen Angebereien. Bei Musik geht es um Gefühle, Energie und Melodien.
Es scheint, dass ihr die Webisodes auf Youtube sehr genossen habt. Stell dir vor ihr hättet die Möglichkeit bei einer berühmten Serie und TV Show aufzutreten. Welche würde es sein?
Wahrscheinlich eine dumme Comedyserie (lacht). Hm, Simpson wäre super. Kataklysm zu Gast bei Simpsons. Das gefällt mir (lacht).
Da wären wir schon bei unserer nächsten Frage. Du kennst sicher South Park. Eines unserer Leser möchte wissen ob du die eine Folge kennst wo über Kanada gesungen wird: “French Canada is of all Canadas the best Canada in the world.” Was sagst zu dazu?
(lacht) Es ist lustig. Wir mögen Kanada. Ein jeder redet gut oder schlecht über andere Staaten, so ist das eben.
Die US-Amerikaner scheinen sich ja über Kanada gern lustig zu machen. Wie schaut das bei euch in Kanada aus? Mögen Kanadier US-Amerikaner?
Ja klar. So wie bei allen Rivalitäten macht sich die eine Seite über die andere Seite lustig und umgekehrt, aber im Grunde haben wir zueinander ein freundschaftliches Verhältnis.
Habt ihr auch eigene Witze über US-Amerikaner?
(lacht) Naja, die erzähl ich lieber nicht. (lacht)
J-F, das war’s. Danke für deine Zeit und die letzten Worte gehören dir!
Danke und Danke euch österreichischen Fans. Jedes mal wenn wir hierher kommen ist es immer herrlich hier zu spielen. Wir kommen immer wieder gerne her. Wir mögen Österreich, Wien und versuchen immer so oft es geht in Österreich spielen zu können.
Fototopf: Kataklysm, Belphegor im Posthof (Linz)




Scheint ein sehr gemütlicher Kerl zu sein.
Ist halt Kanadier ;-)