Kaltenbach 2008

Mai 1st, 2009 | Von Agarr | Kategorie: Livereports

Meine Kaltenbach-Pause hat lang gedauert, aber diesmal waren wir (Agarr und Deathman) uns sicher: 2008 wird wieder hingepilgert und ordentlich die Sau rausgelassen. Vielleicht zu ordentlich, wenn ich mir nun meine völlig leere Geldtasche anschaue, aber hej: Das Kaltenbach gibt’s nur einmal im Jahr und dafür hats sich auch ausgezahlt.

Angefangen hat allerdings alles bisschen deprimierend, ja schon fast EMO: Dieser beschissene Regen hat uns während der Anreise immer begleitet und irgendwie wurden wir den Gedanken nicht los, das Wochenende in einem Wasserloch zu versinken. Ein paar Minuten nach der Ankunft war allerdings alles wieder vergessen – Bier sei dank, hehe! Und siehe da, später hatte es aufgehört zu schiffen und man konnte sich den Hügel runterschmeissen zur Warm-up-party. Vielleicht lag es an unserer Dummheit, oder an unserem Blutgehalt in den Alkoholbahnen, aber diese Party haben wir nicht gefunden – später stellte sich allerdings heraus, dass wir eh die ganze Zeit schon mittendrin waren. Naja Spaß hatten wir trotzdem und es ist zu einer langen und feuchtfröhlichen Nacht gekommen.

Tag 1

Reparaturhalbe, Fleisch, Semmel und Senf – das sind so die wichtigesten Medikamente, die man in der Früh zu sich nehmen muss, um halbwegs wieder fit zu werden. Es sollte auch ein laaanger und anstrengender Tag werden. Angefangen hat es bei uns nämlich mit den Deathern von Bloodfeast, auf die ich mich ja besonders gefreut habe. Geboten haben sie uns allerdings eine bisschen fade Show – zwar solider Sound und gute Musik, aber nix Besonderes. Man muss aber auch die Uhrzeit, zu welcher sie gespielt haben, berücksichtigen! Also hat alles in allem eh gepasst.

Nach ein paar Mittagsbierchen und einigen lustigen Szenen ging es mit den Grindfuckers weiter, die trotz dieser Hitze (ok, so schlimm wars nicht, aber dennoch lästig für die Performer auf der Bühne) ordentlich Gas gegeben haben. Immer wieder lustig anzusehen, ja selbst EAV wurden gecovert, was in ihrem Heimatland sicher nicht so gut ankommen würde, wie bei uns.

Von Negura Bunget habe ich mir auch viel erwartet, aber es traf so ähnlich ein, wie bei Bloodfeast - allerdings viel demotivierter! Naja was solls, der Sound hat gepasst und die schöne Keyboarderin hat mit ihren Augen den ein oder anderen Fotografen verführen können, hehe.

Dass Dew-Scented bereits so früh spielen mussten, begreife ich noch immer nicht und werde es auch nicht tun, denn was die Herren da geboten haben, war einfach nur fett. Die Thrasher haben bereits zu dieser frühen Uhrzeit das Publikum ordentlich zum Kochen gebracht, besonders in den ersten Reihen wurde brav geschädelt. Ein paar Bierchen später durfte man sich von der Musik von Vreid regelrecht anziehen lassen – erwartet habe ich zu Beginn nichts, und bin dann spätestens nach den ersten 20 Sekunden mit offener Kinnlade davorgestanden. Exzellenter Black Metal und eine exzellente Show. So wie es sein muss!

Graveworm und Necrophobic waren, wie man es von ihnen gewohnt ist, ganz ordentlich. Allzuviele Details sind allerdings nicht mehr hängengeblieben, denn zu diesen Stunden schien das Bier literweise in unsere Mägen geflossen zu sein.

Spätestens bei Hollenthon kam es dann zu den ersten richtigen Gänsehautmomenten. Die dabei erzeugte Atmosphäre war einfach nur endgenial und die Herren aus Wien wissen wie man die Stimmung noch weiter zum Kochen bringen kann.

Geplant waren ja eigentlich zwei Essensstände am Festivalgelände, aber durch einen Ausfall konnte nur einer die hungrigen MeHes versorgen. Wer allerdings bisschen mehr kulinarische Abwechslung gesucht hat, konnte zumindest bei den Griechen von Rotting Christ gedanklich einen fetten Gyros verspeisen – oder weiterhin an den Bierbechern nuckeln und die Haare schwingen lassen. Zum krönenden Abschluss durfte dann zu Gorefest geschädelt werden. Ja spätestens dann waren so ziemlich alle dicht und in totaler Partystimmung. Am lustigesten fand ich ja die Bemerkung, dass Jan Chris de Koeyer von Gorefest so klingt, als hätte er eine ganze Kartoffel veschluckt. Nene, das hat schon so gepasst und zum Glück wurden so ziemlich alle meiner Lieblingsnummern runtergeprügelt.

Tja, lang ist dann noch gefeiert worden, vielleicht zu lange in meinem Fall, denn der nächste morgen war einfach nur eine Qual für meinen Kreislauf.

Tag 2

Ahja hatte ich erwähnt, dass wir in der Nacht unseren Autoschlüssel verloren haben? Nach einer verzweifelten Suchaktion, die eigentlich eh völlig sinnlos war, wenn man bedenkt, dass wir nur mehr langsam herumtorkeln konnten, gaben wir schließlich alle Hoffnungen auf. Zum Glück fanden wir am nächsten morgen durch Zufall diesen Schlüssel in unserem Zelt wieder und alles war wieder in Ordnung. Bis auf meine körperliche Fitness. Hierbei sei erwähnt, dass ich am Kaltenbach mehr Geld für Bier ausgegeben habe, als am Metalcamp, welches ja eine ganze Woche dauert. Kein Wunder, dass es mich da ständig gedreht hat, als würde ich in einer Waschmaschine hocken.

Und so kam es, dass ich die ersten paar Bands leider verpassen musste, aber wie es scheint, war ich nicht der Einzige. Geschafft haben wir es dann schließlich doch mal hinunter zur Bühne und zunächst wollte ich im Backstage endlich meinen Darm entleeren. Wie gesagt, ich „wollte“ – gekommen ist es nämlich ganz anders. Die sympatischen und total mit Blut verschmierten Herren von Tyrants haben mich ins VIP-Zelt gezerrt und mich gleich mal auf ein Bier eingeladen. Und da wir schon so gemütlich in der Runde zusammenhockten, wurde prompt ein Interview aufgezeichnet (zum Interview gehts hier lang). Noch ein paar Bierchen mit den Vorarlbergern getrunken und mir ging es wieder absolut perfekt. Was so ne gemütliche Trinkrunde alles bewirken kann – fast schon besser als moderne Medizin.

Naja genug vom Saufen erzählt, weiter geht’s nämlich mit den Glatzen von Sinister. Etwas ungewohnt die Herren bei so hellem Tageslicht zocken zu sehen, aber die MeHes gingen trotzdem brav ab. Diese Energie wurde bei den Pandas von Urgehal auch weitergeführt – dabei waren zwei Gruppen an Metalheads zu beobachten: Die einen, die zur Musik ihre letzte Energiereserven herausprügelten und die anderen, die wie kleine Schulmädchen kichernd auf den lustige Gitarristen blickten. Wer die Band vorher nicht kannte, für den war das auch ein recht amüsanter Anblick, hehe.

Zu Eluveitie muss man glaub ich nicht viel erwähnen – live immer ne Stimmungskanone und technisch sowieso schon immer sehr gut dabei. Lustig fand ichs, dass zu diesem Zeitpunkt der Urgehal-Sänger mit Corpsepaint herumgengen ist und seine Platten verkauft hat – natürlich gaaaanz nüchtern!

Endlich ist die verdammte Sonne runtergeprügelt worden und die Schweden von Marduk durften in düsterer Schwarzmetall-Atmosphäre auf die Bühne treten. In den ersten Reihen wurde nicht nur die Nackenmuskulatur gestärkt, sondern auch mitgekrächzt, was dem Mortuus sichtlich gefallen hat. Was dabei Marduk mit der nächsten Band Grave verbindet? Viel zu kurze Spieltzeiten – von mir aus hätten die ruhig mehrere Stunden spielen können. Die Grave-Herren haben wieder mal eines bewiesen: Oldschool Death ist noch lange nicht tot und es kommt selbst bei den Jüngeren total gut an. Unser geliebter repcak (Redakteur bei Metalblaze) hat sich dabei fast den Nacken ruiniert – Fotos davon gibt’s hier .

Mittlerweile ist die Anzahl der Herumtorkelnden stark gestiegen, es wurde gegröhlt und gelacht – natürlich sind die Biere auch brav geflossen und somit waren die besten Vorbereitungen getroffen worden für die vorletzte Band. Für sentimentale Abschiedstränen hat es allerdings keine Zeit gegeben, denn bei Samael wurde es noch einmal kochend heiß. Ja selbst die Eichhörnchen auf den benachbarten Bäumen hatten sicherlich Spaß an der Musik.

Spääät ist es nun bereits geworden. Satyricon haben sich bisschen zu viel Zeit genommen und so blieb den MeHes eh nichts anders zu tun, außer ein kurzes Schönheitsnickerchen einzulegen (so wie ich im Backstage, hehe), oder weiter ordentlich vom Bierbecher zu schaufeln. Nach einigen Minuten waren die Herren aus Norwegen nun tatsächlich da, und das erste was einem aufgefallen ist: „Der Satyr hot jo kuaze Hoar!“. Etwas gewöhnungsbedürftig dieser Anblick, aber gespielt wurde trotzdem in alter Stärke. Sozusagen ein Best-Of von Satyricon wurde uns da geboten und natürlich wurde als Zugabe ein ganz bestimmter Song gespielt: Mooooother Nooooorth. Gänsehautatmosphäre, die man so bei keiner anderen Band erleben kann! Genial!

Tja, und das wars dann auch schon. Natürlich feierten die Kaltenbacher bis in die Morgenstunden hinein, aber spätestens in der früh realisierte dann jeder: Das Kaltenbach 2008 ist vorbei. Viel zu kurz, extrem lustig, gut organisiert und geniales Billing - Wenn das nächstes Jahr genauso ausschaut, dann kann gar nix schiefgehen. An dieser Stelle möchte ich mich noch bei Alex von Thirdmoon für die Fahrt, bei den Herren von Tyrants für die Bierchen, bei Suicide für die lustigen Gespräche und bei repcak, Foxtur, Deathman und Alex für ihre Anwesenheit bedanken! Natürlich geht auch ein riesengroßes Dankeschön an die Kaltenbachorganisation, für ihr endgeniales und gemütliches Festival! Nächstes Jahr sieht man sich bestimmt wieder – bis dahin bleibt nicht mehr viel zu sagen, außer: Prost!

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